Alexander Padberg, Projektleiter bei Netze Duisburg

Ein Fernwärme-Lindwurm zieht seinen Weg durch Duisburgs Westen

12 Kilometer Rohre werden für die Verbindungsleitung zwischen dem Fernwärmenetz Duisburg und der Fernwärmeschiene Niederrhein verlegt. Die Leitung wird die Versorgung der Fernwärmekunden sicherer und umweltfreundlicher machen.

5,8 Kilometer Streckenlänge, knapp 12 Kilometer Rohrleitungen gefüllt mit rund 1400 Kubikmetern heißem Wasser, rund 65 Meter Baufortschritt pro Tag und rund 12,5 Millionen Euro Investitionsvolumen. Die Eckdaten der neuen Fernwärmeverbindungsleitung im Duisburger Westen zeigen den Ehrgeiz, mit dem die Stadtwerke Duisburg, die Netze Duisburg, der Fernwärmeverbund Niederrhein Duisburg/Dinslaken und die Fernwärme Duisburg das Projekt angehen. Die Leitung, die nach ihrer Fertigstellung im September 2017 die Fernwärmeschiene Niederrhein und das Fernwärmenetz Duisburg miteinander verbindet, ist eines der zentralen Elemente der neu ausgerichteten Erzeugungsstrategie der Stadtwerke Duisburg. Sie sorgt für mehr Versorgungssicherheit für die Kunden, für deutlich mehr Flexibilität in der Wärmeerzeugung und für eine nachhaltige und ökologisch wertvolle Versorgung, denn industrielle Abwärme kann mit der neuen Verbindungsleitung noch effizienter als bislang genutzt werden.

Projektleiter ist Diplom-Ingenieur Alexander Padberg, der die Umsetzung seit Beginn der Planungsphase im März 2015 steuert. „Es ist eine spannende Aufgabe, die beiden Netze miteinander zu verbinden, denn wir haben aus baulicher Sicht auch Herausforderungen zu meistern“, erklärt Padberg. Dazu zählen die Unterquerung der A40 in der Nähe der Anschlussstelle Homberg und die Unterquerung der Brücke der Solidarität in Rheinhausen. Für beide Teilstücke wird das Verfahren der pilotierten hydraulischen Pressung eingesetzt. Dabei wird ein kleiner Bohrkopf gesteuert durch den Untergrund gepresst, um die präzise Richtung und Höhe vorzugeben. Dann wird eine Aufweitpressung durchgeführt, ehe das vorgesehene Schutzrohr mit 80 Zentimetern Durchmesser mit Hilfe gigantischer Kräfte nachgeschoben wird. Dort hindurch werden dann die 63 Zentimeter dicken Kunststoffmantelrohre der Fernwärmeleitung gelegt. „Bei der Unterquerung der A40 mussten mit dieser Technik 72 Meter zurückgelegt werden“, erklärt Padberg. Fehler dürfen nicht passieren, denn ein einziger Versuch bei diesem Verfahren kostet weit mehr als 100.000 Euro.

Das Projekt liegt gut im Zeitplan

Seit dem ersten Spatenstich im Oktober 2016 sind mittlerweile rund vier Kilometer der Leitung gebaut. „Wir liegen gut im Zeitplan und werden mit dem Bau der Leitung wohl im September 2017 fertig sein“, gibt sich Padberg optimistisch, obwohl die Fernwärmeverbindungsleitung das größte Bauprojekt seit dem Bau des Rheindükers ist. Ans Netz gehen kann das so wichtige Verbindungsstück dann aber noch nicht. Zunächst muss am Fuße der Brücke der Solidarität noch das bereits bestehende Pumpenhaus erweitert werden. Wo derzeit noch drei Pumpen den Rücklaufdruck im System bei Bedarf erhöhen, werden demnächst fünf Aggregate mit insgesamt rund einem Megawatt elektrischer Leistungsaufnahme ihren Dienst tun. Hinzu kommen zwei gigantische Wärmetauscher. „Es sind die größten, die im Versorgungsgebiet in Duisburg eingesetzt werden. Jeder ist 1,3 Meter breit, 3,7 Meter lang und 3,8 Meter hoch. Jeder von ihnen hat rund 21 Megawatt Übertragungsleistung“, sagt Padberg.

Bis die neue Wärmeübergabestation angefahren werden kann, wird es aber wohl Juni 2018 werden. Das liegt zum einen an der Bauzeit des Gebäudes und dem Einbau der neuen Technik. Zum anderen aber auch an der Jahreszeit. „Wir können die alten Pumpen in der Heizperiode nicht vom Netz nehmen. Das geht nur nach dem Winter, um die Versorgungssicherheit der Kunden nicht zu gefährden“, erklärt der Projektleiter.

Zu sehen ist die Baustelle im linksrheinischen Stadtgebiet seit dem Baubeginn eigentlich permanent. Rund 300 Meter Baugrube sind immer geöffnet, um den Rohrvortrieb kontinuierlich auf hohem Niveau zu halten. Und so zieht der Fernwärme-Lindwurm seine Bahn von Rheinhausen über Hochemmerich und Asterlagen bis hin nach Essenberg. Verbaut wird nur neueste Technik, bis zu 50 Jahre sollen die extrem gut isolierten Rohre halten. Und sollte einmal ein Leck auftreten, wird der Fehler schnell behoben werden können. „Die einzelnen Rohrsegmente sind mit Überwachungsdrähten ausgestattet, so dass wir einen Schaden sofort erkennen und reparieren können“, erläutert Padberg.

Impressionen von den Bauarbeiten